Hallo sagt der German Smoker

Ich sage mal guten Tag mit „der“ Kultband der achtziger Jahre, die mich geprägt hat und der dazu gehörigen Geschichte aus meiner Jugend. Viel Spass.

Die Dorfdisco!
Heute ist ein warmer Junitag im Jahr 1986 und es ist Samstag, im April feierte ich meinen 16. Geburtstag. Samstag ist der Höhepunkt einer jeden Woche, für alle Leute in unserer Clique. Ach was sage ich, Samstag ist der Höhepunkt für alle Jugendlichen in den umliegenden Dörfern. Heute ist nämlich Dorfdisco in Ragow! Am Tage der Disco halten meine Freunde und ich immer ein ganz besonderes Prozedere ab, was sich an jedem Samstag wiederholt. Man geht nicht einfach nur zur Disco, nein, man führt eine Tradition durch. Schon das Erwachen fällt viel leichter, als an gewöhnlichen Tagen. Breits am Vormittag springe ich auf mein Moped und presche zu unserem Treffpunkt, an einem kleinen, malerisch gelegenem See. Hier hält die Clique ihren Rat ab. Immer mit dabei sind Manni, Krügi, Rico und Ratte….neben meiner Wenigkeit. Mit einer Vollbremsung und einer gekonnten halben Drehung, bringe ich mein S 51 zum stehen. „Hi Alter“, schmettern mir die Jungs entgegen. Krüge klopft mir auf die Schulter und meint: „Heute is bei uns im Keller!“ Das bedeutet nichts anderes als, daß wir uns vor der Disse bei Krügi treffen und dort das so genannte „Vorglühen“ zelebrieren. Es ist jeder mal dran, Gastgeber beim Vorglühen zu sein, das geht immer reihum. Jetzt geht es nur noch darum, zu ermitteln welche Spirituosen besorgt werden müssen und wie die Kosten verteilt werden. Meist handelt es sich dabei um einen Kasten Berliner Pilsner und eine Flasche „Gobra“ (Goldbrand). Die Flasche Gobra kostet 14,50 Mark und der Kasten Bier ist ein Pfennigartikel. Jeder gibt was zu und einer wird zum einkaufen geschickt. Um 16 Uhr ist es dann so weit, wir klingeln artig bei Krügi, sagen den Eltern guten Tag und laufen in den Keller.
Das Haus haben sich die Eltern mit Hilfe des Betriebes gebaut, in dem sie arbeiten. Die Finanzierung war kein Problem und die Abzahlung bereitet niemandem schlaflose Nächte, so wie eigentlich gar nichts in der DDR jemanden unruhig werden läßt.
Aber zurück zu uns, wie wir im Keller sitzen. Krügi korkt erst mal ein Bier für jeden auf, welches wir mit dem Trinkruf: „S D SCH!“ zum Mund führen (S D SCH = Sauf du Schwein!). Spätestens jetzt wird klar, was mit dem Begriff „Vorglühen“ gemeint ist. Es bedeutet nichts anderes, als das Konsumieren von Alkohol, zum Zwecke des in Stimmung bringens, für den langen Weg zur Disco.
Während wir Smaltalk über die Ereignisse der letzten Woche und einen kleinen Rückblick auf den letzten Samstag durchführen, vergeht die Zeit wie im Fluge. So mancher muß jetzt auf den Tisch legen, wie weit er bei der „Puppe“ vom letzten Mal gekommen ist. Oft ist natürlich, genau wie beim Angeln, der Wunsch Vater des Gedankens. Nach zwei Stunden kommt Papa Krügi die Treppe runter und mahnt uns, nicht so viel zu trinken, worauf Manni antwortet: „Können wir ja gar nicht, ist ja schon fast alle.“ Mit diesem Satz gelingt es uns immer wieder, dem „Alten“ noch einen Schnaps aus dem Kreuz zu leiern.
Um spätestens 18:30 Uhr ist Schluss mit dem geselligen Beisammensein, denn der Weg nach Ragow ist 3 Kilometer lang und wird von uns aus Tradition und Mangels öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß zurück gelegt. Hier kommt die Flasche Gobra zum Einsatz ,welche reihum wandert und auch vor den Mündern der Mädchen nicht halt macht, wenn denn mal welche mitlaufen. Die meisten Mädchen der Clique wohnen jedoch in Ragow und sind bereits vor Ort, wenn wir eintreffen. Nach angeregter Unterhaltung stehen wir gegen 19:30 Uhr vor der Dorfgasstätte. Wir stellen uns ganz gesittet an, bezahlen unsere 2,50 Mark Eintritt und bekommen einen Stempel auf die Hand, welcher als Zahlungsbeweis dient. Der erste Weg führt am Tresen vorbei, in einen kleinen Raum der Gaststätte, wo wir den Rest der Meute begrüßen, auch die Mädels. Der nächste Weg führt zur Bar, welche auch in dem Raum ist. Rico brüllt sofort: „Campa für uns!“ und macht eine kreisende Handbewegung um unsere Gang. Der Campa (Apfelschnaps) kostet eine Mark pro Glas und weil jeder mal dran ist, macht das niemanden arm.
Plötzlich öffnen sich die Schiebetüren zum Discosaal, welcher nichts anderes ist, als ein Tanzsaal mit Parkettfußboden, an dessen Flanken doppelreihig Tische aufgebaut sind. Ganz am Ende ist eine Bühne, auf der der Mischpult und die Lautsprecher der Diskothek stehen. Genau so sieht die typische Dorfdisco von Rostock bis nach Plauen aus.
Die Türen sind also offen und unsere Gruppe nimmt sofort drei Tische in Lautsprechernähe ein. Die Disco ist nicht so ein Phonterror, wie er Jahre später sein wird, denn die Ausrüstung verfügt meist über selbstgebaute Endstufen, welche häufig in Rauch aufgehen und so manchem Discoabend schon ein jähes Ende gesetzt haben.
Nach zwei weiteren Bieren, zu jeweils 51 Pfennig gehen Musik und Lichtorgel an. Der DJ begrüßt uns legt sofort einen Knaller von ZZ Top auf. Unser Blick schärft sich und wir checken das weibliche Potential ab. An den weiter entfernten Tischen sitzen die Cliquen aus den anderen Dörfern und ich sehe das schönste Mädchen aus Brusendorf. Lange schon bin ich in sie verliebt, habe sie auch schon zum Tanzen bewegen können und ich denke, das Interesse liegt nicht nur auf meiner Seite. Ich sehe sie an und…zaudere. Plötzlich schlägt mir Manni auf die Schulter und deutet auf die Bar. Gut, er ist dran, da sag ich nicht nein. Wir kämpfen uns zum Tresen vor, rempeln dabei auch mal jemanden an und dann passiert es auch, daß der Jenige darüber nicht erfreut ist. Wir sind aber viele und wir sind stark. Jeder steht für jeden ein, wir sind unbesiegbar. Unbesiegbar stehen wir also an der Bar, prosten uns zu und wir wissen, schöner wird das Leben nicht mehr sein. Wir gehören zusammen, wir sind Gewinner und wenn wir Glück haben, dann gehen wir heut mit einem Mädchen nach Hause, jeder für sich, versteht sich.
Vom Tresen zurück, erinnere ich mich an das schönste Mädchen von Brusendorf und ich setze mich einfach zu ihr an den Tisch neben sie und ihre Freundinnen und dem Lokalmatador von Brusendorf, ein ganz unangenehmer Zeitgenosse. Egal, ich frage Britta einfach, ob sie Lust hat mal vor die Tür zu gehen, um ein wenig zu plaudern. Dabei mache ich den schönsten Dackelblick, den ich kann und mache meine braunen Augen ganz weit auf. Sie lächelt und steht auf, wie in Trance folge ich ihr nach draußen. Verdammt, denke ich, es hätte auch ein Campa weniger sein können. Wir entfernen uns vom Eingang, die Musik wird leiser und Britta faßt nach meiner Hand. Die Grillen zirpen an diesem wunderschönen Sommerabend so schön wie noch nie. Sie führt mich zu ihrem Moped auf welches wir uns zueinandergewendet setzen. Ich höre mich irgendwas reden, kann aber nicht denken, sondern sehe nur in ihr wunderschönes Gesicht und ihre unglaublich erotischen Lippen. Irgendwann küssen wir uns…stundenlang glaube ich. Berührungen, Streicheln…leider nur bis zu einem gewissen Punkt. Danach reden wir viel und gehen Hand in Hand wieder rein. Manni, Krügi und der Rest sehen meine Eroberung und ich bin stolz. Mir geht es gut, so unglaublich gut. Die langsame Runde wird gespielt. Britta schmiegt sich an mich und mein Zeitgefühl geht völlig verloren. Ein langer Kuß…zwischendurch dann doch noch mal die Bar und irgendwann ist der Abend zu Ende. An diesem Morgen laufe ich nicht mit den Anderen nach Hause. Britta fährt mich mit ihrem Moped. Vor meiner Tür küssen, fummeln, aber dann vertröstet sie mich auf ein nächstes Mal. Dieses nächste Mal hat es nie gegeben. Jahre Später sah ich sie zufällig auf einem Fest wieder, sie war in einer unglücklichen Beziehung und ich hatte auch eine feste Partnerschaft. Den Abend, im Juni 1986, werde ich jedoch niemals vergessen.

Autor: rosemarysbaby

Hier ist nicht viel zu sagen. Außer, dass es jetzt einen Kater namens Charlie gibt, der all unsere Aufmerksamkeit benötigt und die Liebe meines Mannes genießt - in vollen Zügen. Deshalb habe ich nicht mehr so viel Zeit für mein Blog-Leben 😺😽😿😻😼

4 Kommentare zu „Hallo sagt der German Smoker“

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